Wes Studi

 
 
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Der US-amerikanische Schauspieler Wes Studi wurde am

17. Dezember 1947 (über das Geburtsjahr gibt es unterschiedliche Angaben) als Wesley Studie in Nofire Hollow | Oklahoma, USA, als ältester von vier Söhnen geboren. Den Großteil seiner Kindheit verbrachte er im nordöstlichen Oklahoma. Als gebürtiger Cherokee sprach er bis zu seiner Einschulung an der im Indianerreservat gelegenen Chilocco Indian School nur die Sprache seines Cherokee Volkes.


Im Jahre 1967 wurde er in die US-Armee eingezogen und diente achtzehn Monate lang im Vietnamkrieg. Desillusioniert und ernüchtert, durch die Schrecken des Krieges und den teilweise rauen Empfang, der den zurückkehrenden Kriegsveteranen damals zuteil wurde, reiste Wes Studi zunächst viel und verbrachte seine Zeit mit seinen Vietnam-Kameraden.


Auf der Suche nach einer beruflichen Perpektive besuchte er das Tulsa Junior College. Angeregt im Leben der Menschen etwas bewirken zu wollen trat er dem „American Indian Movement“ (AIM) bei, der amerikanischen Indianerbewegung, die sich 1968 gründete und sich bis heute als unabhängige Organisation für die
Selbstbestimmungsrechte der nordamerikanischen Ureinwohner einsetzt. 1973 beteiligte Wes Studi sich an der am meisten Aufsehen erregenden Aktion von AIM, der Besetzung des geschichtsträchtigen Dorfes „Wounded Knee“ in der Pine-Ridge-Reservation von South Dakota.


Während er die Northeastern State University von Tahlequah in Oklahoma besuchte, vertiefte er seine Bemühungen, mit seinem Wirken sein Volk positiv zu unterstützen. Unter anderem half er eine Zeitung für die Cherokee zu gründen, arbeitete als Reporter für die „Indian News“ und setzte sich als professioneller Sprachlehrer am College für den Erhalt seiner Muttersprache ein, bevor er sich mit seiner Frau Rebecca Graves, die er 1974 heiratete und mit der er die Kinder Leah und Daniel hat, als Pferdezüchter auf seiner Ranch niederließ.


Zur Schauspielerei kam Wes Studi relativ spät. Durch das Scheitern seiner Ehe zu Beginn der 80er Jahre und der damit verbundenen Aufgabe seiner Ranch, nahm er mehr aus Neugier denn aus ernsthaftem Interesse Schauspielunterricht. Der Ratschlag eines ehemaligen Berufsschullehrers, sich mit der Tatsache abzufinden mit seiner indianischen Herkunft lediglich unterbezahlte Jobs und geringe Anerkennung im Leben erwarten zu können, belastete ihn lange Jahre, bis er allen erdrückenden Widrigkeiten und vorausgesagten düsteren Zukunftsaussichten trotzte.


Nach ersten Schritten am Theater mit der „American Indian Theatre Company“ und kleineren Auftritten in TV-Produktionen, wurde ihm mit seiner Rolle als „Long Runner“ in der PBS Produktion „The Trial of Standing Bear“ von 1988 bewusst, dass er seine wahre Berufung tatsächlich in der Schauspielkunst gefunden hatte. „Studi“ wurde fortan sein Künstlername, der kurioserweise auf einem Schreibfehler eines Fotolabors basiert, das den Nachnamen versehentlich um das „e“ verkürzte. Wes Studi gefiel diese Schreibweise und er übernahm sie. Bereits sein Großvater hatte seinerzeit den ursprünglichen Familiennamen „Chuntstudie“ aus politischen und familiären Gründen in „Studie“ abgekürzt.


Es folgte der Umzug in die Hochburg der amerikanischen Filmindustrie, Los Angeles, der dem charismatischen Schauspieler durch seine indianische Herkunft unter anderem Rollenangebote in zahlreichen Hollywood-Western der 90er Jahre eintrug. Zu dieser Zeit, ungefähr Ende der 80er,
lernte er auch Maura Dhu kennen, mit der er bis heute verheiratet ist und einen Sohn, Kholan Garrit, hat. Mit seinen markanten attraktiven Gesichtszügen und dem rauen tiefen Timbre seiner unverkennbaren Stimme verkörperte er in überwiegend wichtigen Nebenrollen, aber auch Hauptrollen, starke Charaktere und bekannte historische Persönlichkeiten der amerikanischen Ureinwohner und verlieh ihnen mit intensiver unnachahmlicher Mimik und Gestik, seinem Markenzeichen, einschüchternd anmutende Arroganz und Würde.


Erste größere Aufmerksamkeit erregte er als „toughest Pawnee“ in Kevin Costner's geschichtlich ambitioniertem „Der mit dem Wolf tanzt“ („Dances With Wolves“) von 1990 und mit seiner starken Präsenz als stiller Indianer in der Wüste in Oliver Stone's „The Doors“ von 1991, bis er sich als Charakterdarsteller für Kinoleinwand und TV etablieren konnte. Beeindruckend und preisverdächtig seine eindringliche Darstellung des gefährlichen, Vergeltung suchenden „Magua“ in Michael Mann's Adaption „Der letzte Mohikaner“ („The Last of the Mohicans") von 1992, einer Novelle von James Fennimore Cooper, die ihm an der Seite von Daniel Day-Lewis und Madeleine Stowe auch international große Beachtung und Anerkennung einbrachte. Die Kritiker überschlugen sich und erwarteten eine Oskar-Nominierung für die überragende schauspielerische Leistung als „Magua“, doch der Film wurde lediglich mit einem Oskar für den besten Sound ausgezeichnet.


Ebenso beeindruckend sein Portrait des berüchtigten Apachenführers Geronimo im gleichnamigen Kinofilm von 1993 unter der Regie von Walter Hill, neben Co-Stars wie Gene Hackman und Robert Duvall. Nach und nach konnte Wes Studi seine Vielfältigkeit und sein schauspielerisches Talent auch in zahlreichen anderen Filmgenres unter Beweis stellen. So zum Beispiel als Cop aus L.A. in Michael Mann's „Heat“ von 1995, in dem er Al Pacino bei der Verfolgungsjagd gegen die Verbrechergang von Robert De Niro und Val Kilmer zur Seite steht. Oder dem actiongeladenen Horrorfilm „Octalus” („Deep Rising") von 1998, in dem er neben Treat Williams und Famke Janssen (Ex-Bond-Gegenspielerin) in dunklen wasserüberfluteten Schiffsgängen vor einem hungrigen Meeresungeheuer um sein Leben läuft. Überzeugend auch seine Darstellung des Lt. Joe Leaphorn, einem Navajo-Polizisten aus den Thrillern von Autor Tony Hillerman, in den von Robert Redford ab 2002 für PBS produzierten Filmen. 


Die Liste namhafter Regisseure und Schauspielerkollegen, mit denen Wes Studi zusammen arbeitete, ist lang. Die zahlreichen Filmsets führten ihn rund um den Globus. Auch in Deutschland, in Filmstudios in der Nähe von München, war er unter anderem neben Rainer Schöne 2001 für die Dreharbeiten zu dem Science-Fiction-Pilotfilm „Ice Planet“, der von „Welt der Wunder“-Moderator Hendrik Hey produziert wurde. Besonders das deutsche Bier, Würstchen und die Schokolade sind ihm seither in (kulinarischer) Erinnerung geblieben.


Wes Studi hat zahlreiche Auszeichnungen für seine schauspielerischen Leistungen erhalten. (Eine Auflistung ist in der entsprechenden Rubrik zu finden) Neben der Schauspielerei hat er sich auch als Steinhauer, Übersetzer unter anderem für das mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Werk „The Kentucky Cycle“, Buchautor zweier Kinderbücher und
Regisseur eines Kurzfilms betätigt. Er spielt als Gitarrist in seiner 1995 gegründeten Band den „Firecat of Discord“, bei der seine Frau

Maura Dhu, eine ehemalige Jazz und Pop-Sängerin aus L.A., die Lead-Sängerin ist. Als Ehren-

vorsitzender des Indigenous Language Institute in Santa Fe, New Mexico, setzt er sich für den Erhalt indianischer Sprachen ein und erhielt die „Ten Who Made A Difference“-Anerkennung der Stadt.

Die Schauspielerin Delanna Studi ist seine Nichte.


Wes Studi lebt mit seiner Frau und seinem Sohn in New Mexico, USA.